Wenn Projekte ins Stocken geraten, wird häufig zuerst über Prozesse, Tools oder Ressourcen gesprochen. Die Vermutung liegt nahe, dass irgendwo im Ablauf etwas nicht funktioniert.
In der Praxis zeigt sich jedoch oft ein anderes Bild. Viele Schwierigkeiten entstehen nicht durch fehlende Fachkompetenz, schlechte Planung oder ungeeignete Werkzeuge. Sie entstehen, weil Menschen unterschiedliche Erwartungen haben, Informationen unterschiedlich interpretieren oder wichtige Dinge nie ausgesprochen wurden.
Aus dem Projektalltag von Mike Gottlebe | 2026
Eines der häufigsten Probleme in Projekten entsteht bereits ganz am Anfang. Ein Kunde spricht von einer „modernen Website“. Das Marketing versteht darunter etwas anderes als die Geschäftsführung. Die Agentur entwickelt wiederum eigene Vorstellungen davon, was modern bedeutet. Alle verwenden dieselben Begriffe. Alle glauben, dasselbe Ziel vor Augen zu haben. Und trotzdem arbeiten sie unbemerkt in unterschiedliche Richtungen.
Je länger ein Projekt läuft, desto größer werden die Folgen solcher Missverständnisse. Was am Anfang nur eine kleine Unklarheit war, kann später zu umfangreichen Korrekturen, Frust und unnötigen Kosten führen.
Interessanterweise scheitern Projekte selten daran, dass Informationen überhaupt nicht vorhanden sind. Häufiger scheitern sie daran, dass Informationen nicht bei den richtigen Personen ankommen, zu spät weitergegeben werden oder unterschiedlich interpretiert werden. Ein Team wartet auf eine Entscheidung, die längst getroffen wurde. Eine Fachabteilung geht von anderen Rahmenbedingungen aus als das Projektteam. Ein Kunde erwartet Ergebnisse, obwohl niemand über den konkreten Zeitplan gesprochen hat. Das Problem ist dann nicht die Information selbst. Das Problem ist die Kommunikation rund um die Information.
Besonders kritisch wird es, wenn Menschen beginnen, Dinge vorauszusetzen.
„Das ist doch klar.“
„Davon bin ich ausgegangen.“
„Ich dachte, das wäre bereits abgestimmt.“
Solche Sätze tauchen in Projekten erstaunlich häufig auf. Und fast immer sind sie ein Hinweis darauf, dass Erwartungen nie eindeutig formuliert wurden. Annahmen sparen kurzfristig Zeit. Langfristig erzeugen sie jedoch Unsicherheit. Je komplexer ein Projekt wird, desto wichtiger wird es, vermeintlich Selbstverständliches auszusprechen.
Kommunikation wird oft mit einer möglichst großen Anzahl von Meetings, E-Mails oder Nachrichten gleichgesetzt. Tatsächlich entsteht Klarheit nicht durch mehr Kommunikation, sondern durch bessere Kommunikation. Wichtige Entscheidungen müssen dokumentiert werden. Verantwortlichkeiten müssen eindeutig sein. Ziele müssen verständlich formuliert werden. Und alle Beteiligten sollten wissen, woran Erfolg gemessen wird. Wer diese Grundlagen schafft, reduziert viele spätere Probleme bereits im Vorfeld.
Neben allen organisatorischen Vorteilen hat gute Kommunikation noch einen weiteren Effekt. Sie schafft Vertrauen. Menschen arbeiten deutlich entspannter zusammen, wenn sie wissen, woran sie sind. Transparente Entscheidungen, klare Erwartungen und regelmäßige Abstimmungen sorgen dafür, dass Unsicherheit gar nicht erst entsteht. Gerade in Projekten mit vielen Beteiligten ist das oft wichtiger als jede Methode oder jedes Tool. Denn Vertrauen beschleunigt Zusammenarbeit. Misstrauen verlangsamt sie.
Wenn erfolgreiche Projekte rückblickend analysiert werden, zeigt sich häufig ein gemeinsames Muster. Die Beteiligten hatten nicht zwangsläufig die besten Werkzeuge. Sie verfügten nicht immer über die größten Budgets. Und auch der perfekte Projektplan war selten vorhanden. Was sie meist hatten, war ein gemeinsames Verständnis über Ziele, Prioritäten und Erwartungen. Genau dort beginnt erfolgreiche Zusammenarbeit.
Viele Probleme, die auf den ersten Blick wie Projektprobleme wirken, haben ihren Ursprung in der Kommunikation. Missverständnisse, unausgesprochene Erwartungen, fehlende Abstimmungen oder unterschiedliche Zielbilder können selbst gut geplante Projekte ausbremsen. Deshalb lohnt es sich oft, bei Schwierigkeiten nicht zuerst auf Prozesse oder Tools zu schauen. Manchmal reicht die einfache Frage:
Haben wir wirklich über dasselbe gesprochen?
Fast jedes Kommunikationsproblem sieht anfangs wie ein Sachproblem aus.
Mike Gottlebe arbeitet seit über 20 Jahren an Kommunikations-, Design- und Digitalprojekten. Die Gedanken in diesem Blog basieren nicht auf Theorien, sondern auf Erfahrungen aus Kundenprojekten, Workshops, Projektmanagement und der täglichen Zusammenarbeit mit Menschen.
Kommunikation. Design. Projekte.
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